Nach­hal­tig­keit in der Elek­tro­pla­nung

Anfor­de­run­gen und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen im Kon­text der UN Sus­tainable Deve­lo­p­ment Goals (SDGs)

Die glo­ba­le Kli­ma­kri­se und die wach­sen­den Anfor­de­run­gen an eine res­sour­cen­scho­nen­de Bau­wei­se stel­len Elek­tro­pla­ne­rin­nen und Elek­tro­pla­ner vor neue, weit­rei­chen­de Auf­ga­ben. Die 17 Nach­hal­tig­keits­zie­le der Ver­ein­ten Natio­nen (Sus­tainable Deve­lo­p­ment Goals, SDGs) bil­den den inter­na­tio­na­len Rah­men, an dem sich auch die Gebäu­de­tech­nik und ins­be­son­de­re die Elek­tro­pla­nung zuneh­mend ori­en­tie­ren muss. Als Elek­tro­pla­ner tra­gen wir eine akti­ve Mit­ver­ant­wor­tung: durch klu­ge Mate­ri­al­wahl, sys­tem­über­grei­fen­des Den­ken und vor­aus­schau­en­de Pla­nung kön­nen wir einen wesent­li­chen Bei­trag zur nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung leis­ten.

1. Mate­ri­al­wahl

Die Wahl der ein­ge­setz­ten Mate­ria­li­en ist eine der wirk­sams­ten Stell­schrau­ben für nach­hal­ti­ge Elek­tro­in­stal­la­tio­nen. Bereits in der Pla­nungs­pha­se ent­schei­det sich, ob ein Gebäu­de über sei­nen gesam­ten Lebens­zy­klus hin­weg res­sour­cen­ef­fi­zi­ent betrie­ben wer­den kann. Fol­gen­de Grund­sät­ze soll­ten dabei lei­tend sein:

  • Recy­cling­fä­hig­keit und Kreis­lauf­wirt­schaft: Kabel, Lei­tun­gen und Instal­la­ti­ons­ma­te­ri­al soll­ten aus Mate­ria­li­en bestehen, die am Ende ihrer Nut­zungs­dau­er sor­ten­rein getrennt und recy­celt wer­den kön­nen. Kup­fer und Alu­mi­ni­um sind hoch­wer­ti­ge Sekun­där­roh­stof­fe – eine bewuss­te Mate­ri­al­men­gen­pla­nung (z. B. Ver­mei­dung von Über­di­men­sio­nie­rung) redu­ziert den Res­sour­cen­ein­satz.
  • Schad­stoff­ar­me Pro­duk­te: Halo­gen­frei umman­tel­te Kabel (LSZH) redu­zie­ren bei Brand­fall die Emis­sio­nen gif­ti­ger Gase. Im Sin­ne von SDG 3 (Gesund­heit und Wohl­erge­hen) ist dies beson­ders in öffent­li­chen Gebäu­den, Schu­len und Kran­ken­häu­sern gebo­ten.
  • Lang­le­big­keit und Qua­li­tät: Hoch­wer­ti­ge Betriebs­mit­tel, die für lan­ge Nut­zungs­dau­ern aus­ge­legt sind, scho­nen Res­sour­cen und redu­zie­ren War­tungs- und Aus­tausch­kos­ten. Qua­li­täts­pro­duk­te mit Nach­hal­tig­keits­zer­ti­fi­zie­run­gen (z. B. EPD – Envi­ron­men­tal Pro­duct Decla­ra­ti­on) soll­ten bevor­zugt wer­den.
  • Regio­na­le Lie­fer­ket­ten: Die Beschaf­fung von Mate­ria­li­en aus regio­na­ler Pro­duk­ti­on ver­kürzt Trans­port­we­ge und stärkt loka­le Wirt­schafts­kreis­läu­fe – ein Bei­trag zu SDG 12 (Nach­hal­ti­ge Kon­sum- und Pro­duk­ti­ons­mus­ter).

    2. Nach­hal­ti­ge Elek­tro­in­stal­la­ti­on

    Eine nach­hal­ti­ge Elek­tro­in­stal­la­ti­on geht weit über die blo­ße Norm­er­fül­lung hin­aus. Sie umfasst die ganz­heit­li­che Betrach­tung von Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Sys­tem­in­te­gra­ti­on und Zukunfts­fä­hig­keit:

    Ener­gie­ef­fi­zi­enz als Pla­nungs­prä­mis­se

    Direkt mit SDG 7 (Bezahl­ba­re und sau­be­re Ener­gie) ver­knüpft ist die Pflicht, Ener­gie­ver­lus­te in der Elek­tro­in­stal­la­ti­on zu mini­mie­ren. Dies beginnt bei der Dimen­sio­nie­rung von Lei­tungs­quer­schnit­ten nach Wirt­schaft­lich­keits­kri­te­ri­en (nicht nur nach zuläs­si­ger Strom­be­last­bar­keit), umfasst den Ein­satz ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Betriebs­mit­tel (Trans­for­ma­to­ren, USV-Anla­gen) und endet bei der intel­li­gen­ten Steue­rung von Ver­brau­chern durch Gebäu­de­au­to­ma­ti­on (KNX, BAC­net). Mess­ein­rich­tun­gen und Sub­me­ter­ing ermög­li­chen Trans­pa­renz über den Ener­gie­ver­brauch – eine Grund­vor­aus­set­zung für Opti­mie­rungs­maß­nah­men.

    Inte­gra­ti­on erneu­er­ba­rer Ener­gien

    Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen, Bat­te­rie­spei­cher und Lade­infra­struk­tur für Elek­tro­fahr­zeu­ge (E-Mobi­li­tät) sind fes­te Bestand­tei­le zeit­ge­mä­ßer Elek­tro­pla­nung. Die vor­aus­schau­en­de Tras­sen­pla­nung für PV-Anla­gen, die Dimen­sio­nie­rung von Unter­ver­tei­lun­gen für Lade­säu­len sowie die Ein­bin­dung von Wär­me­pum­pen in die elek­tri­sche Infra­struk­tur sind Kern­kom­pe­ten­zen, die Elek­tro­pla­ner heu­te beherr­schen müs­sen. Dies kor­re­spon­diert unmit­tel­bar mit SDG 13 (Maß­nah­men zum Kli­ma­schutz).

    Fle­xi­bi­li­tät und Erwei­ter­bar­keit

    Nach­hal­ti­ge Pla­nung denkt in lan­gen Zeit­räu­men. Kabel­tras­sen soll­ten mit aus­rei­chen­den Reser­ven geplant wer­den; Leer­rohr­sys­te­me ermög­li­chen nach­träg­li­che Instal­la­tio­nen ohne Bau­ein­grif­fe. Das Prin­zip der Adap­ti­vi­tät spart lang­fris­tig Res­sour­cen und Kos­ten und unter­stützt SDG 11 (Nach­hal­ti­ge Städ­te und Gemein­den), indem Gebäu­de fle­xi­bel auf ver­än­der­te Nut­zungs­an­for­de­run­gen reagie­ren kön­nen.

    3. Her­aus­for­de­run­gen und Per­spek­ti­ven

    Der Weg zu einer voll­stän­dig nach­hal­ti­gen Elek­tro­pla­nung ist mit struk­tu­rel­len und fach­li­chen Her­aus­for­de­run­gen ver­bun­den:

    • Kos­ten- und Zeit­druck: Nach­hal­ti­ge Lösun­gen sind häu­fig mit höhe­ren Inves­ti­ti­ons­kos­ten ver­bun­den. Elek­tro­pla­ner ste­hen in der Pflicht, Bau­herrn und Inves­to­ren mit Lebens­zy­klus­kos­ten-Ana­ly­sen (LCC) von der Wirt­schaft­lich­keit nach­hal­ti­ger Ansät­ze zu über­zeu­gen – ein kom­mu­ni­ka­ti­ves wie fach­li­ches Kom­pe­tenz­feld.
    • Nor­ma­ti­ve Dyna­mik: Nor­men und Richt­li­ni­en (VDE, DIN EN, DGNB, LEED, BNB) ent­wi­ckeln sich kon­ti­nu­ier­lich wei­ter. Elek­tro­pla­ner müs­sen sich fort­lau­fend wei­ter­bil­den und regu­la­to­ri­sche Anfor­de­run­gen – etwa aus dem EU-Taxo­no­my-Regel­werk oder der EU-Gebäu­de­richt­li­nie (EPBD) – in ihre Pla­nun­gen inte­grie­ren.
    • Inter­dis­zi­pli­na­ri­tät: Nach­hal­ti­ge Gebäu­de­tech­nik erfor­dert eine enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Elek­tro-, HVAC- und Bau­pla­nern. BIM (Buil­ding Infor­ma­ti­on Mode­ling) bie­tet hier­für eine zen­tra­le Platt­form, stellt aber hohe Anfor­de­run­gen an digi­ta­le Kom­pe­ten­zen und Pro­zess­or­ga­ni­sa­ti­on.
    • Daten­ver­füg­bar­keit: Öko­bi­lan­zie­run­gen (LCA) erfor­dern belast­ba­re Pro­dukt­da­ten. Die Ver­füg­bar­keit von EPDs (Envi­ron­men­tal Pro­duct Decla­ra­ti­ons) hat zwar zuge­nom­men, ist aber noch nicht flä­chen­de­ckend gewähr­leis­tet. Hier sind Her­stel­ler und Ver­bän­de eben­so gefor­dert wie die Pla­nen­den selbst.

    Trotz die­ser Her­aus­for­de­run­gen bie­ten sich Elek­tro­pla­ne­rin­nen und Elek­tro­pla­nern erheb­li­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten: Die Digi­ta­li­sie­rung der Pla­nung (BIM, digi­ta­le Zwil­lin­ge), neue Tech­no­lo­gien wie Smart Grids, Vehic­le-to-Grid (V2G) und Power-over-Ether­net (PoE) sowie wach­sen­de gesetz­li­che Anfor­de­run­gen an Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Nach­hal­tig­keit schaf­fen ein Umfeld, in dem fun­dier­te Fach­kennt­nis­se und Nach­hal­tig­keits­kom­pe­tenz zu ech­ten Wett­be­werbs­vor­tei­len wer­den.

      4. Fazit

      Die Sus­tainable Deve­lo­p­ment Goals sind kein abs­trak­tes poli­ti­sches Rah­men­werk – sie sind ein kon­kre­ter Hand­lungs­auf­trag für die täg­li­che Pla­nungs­pra­xis. Als Elek­tro­pla­ner gestal­ten wir die tech­ni­sche Infra­struk­tur von Gebäu­den und damit maß­geb­lich deren öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck, ihren Ener­gie­ver­brauch und ihre Resi­li­enz über Jahr­zehn­te.

      Nach­hal­tig­keit in der Elek­tro­pla­nung bedeu­tet: kon­se­quen­te Mate­ri­al­wahl nach Kreis­lauf­prin­zi­pi­en, ener­gie­ef­fi­zi­en­te und erwei­ter­ba­re Instal­la­tio­nen, die Inte­gra­ti­on rege­ne­ra­ti­ver Ener­gie­sys­te­me sowie eine inter­dis­zi­pli­nä­re, BIM-gestütz­te Zusam­men­ar­beit. Gleich­zei­tig erfor­dert es die Bereit­schaft zur kon­ti­nu­ier­li­chen Wei­ter­bil­dung und zur offen­si­ven Kom­mu­ni­ka­ti­on von Nach­hal­tig­keits­mehr­wer­ten gegen­über Auf­trag­ge­bern.

      Wer die­se Anfor­de­run­gen als Chan­ce begreift, wird nicht nur zur nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung bei­tra­gen, son­dern sich auch als zukunfts­fä­hi­ge Fach­kraft in einem Markt posi­tio­nie­ren, der Nach­hal­tig­keits­kom­pe­tenz zuneh­mend ein­for­dert und hono­riert. Die Ver­ant­wor­tung – und die Mög­lich­keit – liegt in unse­ren Hän­den.

        Quel­len­be­zug: UN Sus­tainable Deve­lo­p­ment Goals (2015) · EU Gebäu­de­richt­li­nie EPBD (2023) · DIN VDE Nor­men­rei­hen · DGNB Kri­te­ri­en­steck­brie­fe